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Die E-Mail hat den handgeschriebenen Brief verdrängt - dank neuer Software kann sich nun jeder seine eigene digitale Handschrift entwickeln.

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7 Kommentare

Schade...

...der Untergang der Handschrift!

In der heutigen schnell-lebigen Zeit mit elektronischer Post ist ein handgeschriebener Brief doch umso wertvoller, eben weil er so selten geworden ist und trotzdem zeitlos schön bleibt.

Wer in Zukunft einen Liebesbrief statt per Hand mit dem selbst-kreierten PC-Font schreibt, der beweist nicht nur mangelndes Interesse (sonst hätte er sich die Mühe gegeben, doch zur Feder anstatt zur seelen-losen Tastatur zu greifen), sondern meiner Meinung nach auch mangelnden Stil.

Eine selbstkreierte und auf den jeweiligen Anlass bzw. Adressenten abgestimmte digitalisierte Schrift, in der viel Arbeit steckt, kann auch ein kleines Kunstwerk sein, mit der wir unsere Wertschätzung für den Adressenten zum Ausdruck bringen. Und das gezielte Ansteuern der Tasten macht den meisten Menschen, die i. d. R. nicht blind mit zehn Fingern schreiben können, sogar noch mehr Mühe als ein handschriftlich verfasster Text.
T.

handschriftlicher Brief versus Maschinenbrief

(Die zzt. dikutierten Themen Kinderarbeit und Dauerthemen wie Linke, Faschismus, Neoliberalismus usw. schlagen ja dermaßen aufs Gemüt, dass wir uns auch einmal leichtverdauliche Kost gönnen sollten.)

Das Primitive und Urige ist nicht automatisch seelenhafter und stilvoller; vielleicht romantischer für jene, die gern am Althergebrachten festhalten, weil sie damit gute Erfahrung gemacht und damit Bewährtes lieb gewonnen haben.

Im Festhalten am Alten verbirgt sich eine Angst vor Neuem, im Prinzip eine latente Überforderung mit den Hightech-Errungenschaften unserer Zeit und die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, in der der Betroffene jung war und auf der Höhe der Zeit stehend, den Gang der Dinge mitgestaltete und mitbestimmte.
In der Retrospektive ist unsere Wahrnehmung doch mitunter recht verzerrt. Positives wird selektiert und in den Fokus gerückt, Negatives nicht wahrgenommen oder verdrängt, wie z. B. die sehnsuchtsvoll in der Biedermeier-Idylle schmachtenden Sissi-Freunde beweisen.
Diesen sei gesagt:
Der handschriftliche Brief ist vom ersten Federstrich bis zur Zustellung schon lange entseelt. Statt eines Federkiels im Tintenfass bedienen wir uns eines modernen Schreibgerätes aus dem Supermarkt oder eines wertlosen, weil kostenlos verteilten Werbe-Kugelschreibers. Und keine Postkutsche ist mit unserer Botschaft unterwegs, sondern der ICE bringt sie uns in unromantischen ein bis zwei Tagen. Sortiert hat ein Automat. An unserer Tür läutet kein Postillon, sondern eine ausgebeutete kurzzeitbeschäftigte Fachkraft für Post- und Frachtverkehr, die unter der Erweiterung ihres Zustellbezirkes bei gleicher Bezahlung leidet, wirft den Brief ein.
Geblieben ist mit unserer Handschrift -in ihrer relativen Unverwechselbarkeit und lebenslangen Konstanz einem Fingerabdruck ähnlich- ein Stück Leibhaftigkeit, mit der wir dem Empfänger unsere Aufmerksamkeit, Achtung, Wertschätzung oder gar Liebe bekunden.

Aber auf den Inhalt kommt es an.
Die Handschrift sagt meines Erachtens über einen Menschen so wenig aus wie der besagte Fingerabdruck. Von einer Handschrift auf die Persönlichkeit schließen ist mit ausgeprägter Suggestibilität behaftet -ähnlich dem Verbrecher, den wir als solchen im Fahndungsfoto erkennen, während selbiges in einen ehrenwerten Zusammenhange gestellt, uns schon vom Antlitz her der typisch gute Mensch dünkt.

Kurzum, der handschriftliche Brief ist out und die diesen bei Polylog beweinenden postenden User dürften schon aufs Altenteil gekommen sein (Was ich jetzt wirklich nicht als Diskriminierung verstanden wissen will).
Meine Großeltern erhalten auch noch handschriftliche Briefe, weil sie mit einem PC nicht umgehen können und wollen, aber die junge Generation kommuniziert über einen Instant Messenger. Da gibt es in einem langsamen Brief nichts mehr mitzuteilen, was nicht schon längst gesagt wurde. Und wenn es mal etwas über den Augenblick hinaus, quasi zum langen Betrachten und Abheften sein soll, können wir unserer Kreativität in einer selbstgestalteten und animierten digitalen Schrift, die je nach Stimmung, Anlass und Empfänger verschieden sein kann, freien Lauf lassen.
T.

Weitere Informationen zur TYPO 2008

http://www.typoberlin.de/blog/

wunderschön

aufbereiteter Beitrag über etwas, das man so eigentlich noch nicht kannte. Spitze.

Der Empfänger des handgeschriebenen Briefes bekommt – ganz nebenbei im Post Scriptum – eine Menge Selbstdarstellung des Absenders. Genau wie der Empfänger einer Email, dessen Absender in großer Fleißarbeit seine Handschrift am Computer nachgebildet hat. Wer in Schönschrift pinselt, möchte mitteilen: "Merkste was: ICH hab mir (für Dich) ganz dolle Mühe gegeben. Gar nicht schlecht, oder? Du weißt doch hoffentlich zu schätzen, dass ich Dich lieb hab?" Das Ego schreibt an allen Briefen und Emails mit ... und postet in Foren - hüstl ;-)

Für die Zuneigung ist das Medium doch ganz egal. Irgendwie schwappt sie schon rüber. Wenn sie in einem Brief daherkommt, kann man ihn in einen Schuhkarton stecken und eine Schleife drum machen. Eine Email ist weniger haptisch, aber vielleicht genauso herzlich. Die schönsten Worte sind die, die man ganz ohne solche Zeugen nie mehr vergisst.

Als angehender Grafikdesigner nehme ich gerade das Thema Typografie vor und es gehoert mit zum Grundlagenwissen eines jeden Kreativen, der mit Buchstaben etwas komunizieren will.

Ein sehr bekanntes und wohl auch zutreffendes Zitat:
"Was nicht kommuniziert wird, ist nicht, und je mehr es kommuniziert wird, desto mehr ist es." (Erster Hauptsatz). von Vilém Flusser im Buch Die Revolution der Bilder.

Irgendwie ist ja auch jeder Buchstabe nichts geringeres als ein Bild, bei entsprechender Anreihung wird ein Wort erzeugt, oder Buchstaben koennen auch einfach nur auf kreative Art und Weise als Kumunikationswerkzeug genutzt werden - wie man an dem Beitrag sehen kann, kann dabei auch weit aus mehr raus kommen als "nur" ein Wort aus "schlichten" Buchstaben.

Die eingebrachte Diskussion ueber den missenden Liebes-Brief im Briefkasten, kann ich nicht recht nachvollziehen. Meiner Meinung nach liegt das nicht am technischen Fortschritt der Typografie, sondern wohl eher daran, dass man wohl ertsmal jemanden kennenlernen muss, der einem ueberhaupt erst einen Liebesbrief schreiben "koennte".

Liebesbriefe zu erstellen, so wie damals, kann heute leider kaum noch einer. Das liegt aber doch nicht am technischen Fortschritt, bzw. dem PC und dessen Komunikationshorizont, sondern an der zeitlichen Epoche des 21. Jahrhunderts generell. Es ist ja auch kein Wunder, wenn der konventionelle persoenliche Briefverkehr ausbleibt, zumal die Menschen im 21. Jahrhundert auch kaum noch Zeit dafuer finden. Eigentlich koennen wir die Moeglichkeit des eMail-Verkehrs nur begruessen. Denn ohne eMails waere so mancher Kontakt beim ein oder anderen wohl schon lange abgebrochen, doch selbst das Verfassen einer eMail scheint einigen immer noch viel abzuverlangen. Nun ja, ich sag mir dann zum Trost, lieber eine eMail, als gar keine Nachricht. Und mit der Einfuehrung der Telefonflatrate hat sich dahingehend sogar auch vieles veraendert. Aber selbst da gibt es heute Kritiker, die gleichen, die einst mal die ueberhoehten Telefon-Tarife angeprangert haben.../// Ausserdem halte ich die Uebertragung persoenlicher Daten per verschluesselter Email fuer weit aus sicherer, als diese per Brief irgendwelchen Fremden zu ueberlassen.

Die Sache mit dem ...lieben Freund und Kupferstecher, nun ja, auch ich muss leider solche dazu zaehlen.

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